SAMIA, die Namensgeberin für unser Schiff
Das Schiff ist gekauft, doch wie soll es heißen? Der Name soll bewusst an das Schicksal einer Geflüchteten erinnern, die exemplarisch für alle steht, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind.
Aus verschiedenen Namensvorschlägen einigten wir uns auf SAMIA – in Gedenken an Samia Yusuf Omar, eine somalische Läuferin, die 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking antrat. Sie träumte davon, 2012 bei den Olympischen Spielen in London teilzunehmen. Doch das Trainieren in ihrer Heimat wurde zunehmend schwierig und auch gefährlich. Die islamischen Extremisten in Somalia lehnten jegliche sportliche Tätigkeit von Frauen und Mädchen ab. Auch ihre Familie war wegen ihrer sportlichen Ambitionen Drohungen ausgesetzt. Samias Vater, der sie stets bei ihrem Bemühen, als Sportlerin erfolgreich zu sein, unterstützte, kam 2006 bei einem Raketenangriff ums Leben. Als Samia in ihrer Heimat immer mehr Repressalien ausgesetzt war, ging sie zunächst zu Verwandten nach Äthiopien. Doch die somalische Botschaft weigerte sich, ihr Papiere auszustellen, so konnte sie auch dort nicht trainieren. So entschloss sie sich zur Flucht nach Europa, kam über Sudan nach Libyen, wurde dort wie so viele Flüchtlinge in ein Lager gesperrt. Ihr erster Fluchtversuch mit einem Boot scheiterte. Im April 2012 unternahm sie einen zweiten Versuch, mit einem Schlauchboot nach Europa zu kommen und hätte es auch beinahe geschafft, denn ein Küstenwachschiff hatte das überfüllte seeuntaugliche Boot entdeckt und wollte die Menschen an Bord nehmen. Doch Samia stürzte zusammen mit anderen Personen im Gedränge ins Wasser und ertrank.
Bücher und Film über Samia
Die Geschichte von Samia Yusuf Omar wurde von Reinhard Kleist als Graphic Novel verarbeitet und vom italienischen Schriftsteller Guiseppe Catozzella in dem 2014 erschienenen Roman Mit Träumen im Herzen festgehalten. 2024 verfilmte die deutsche Regisseurin Yaesim Samdereli den Roman unter dem Titel Samia.

Samias Schicksal ist eines von Tausenden. Im Buch als auch im Film wird deutlich, dass hinter jedem einzelnen dieser Schicksale ein Mensch mit seiner Geschichte steht: ein Mensch mit Träumen, mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, mit dem Wunsch zu überleben. Das wird leider oft vergessen, wenn von den Zahlen der im Mittelmeer Ertrunkenen berichtet wird.
Jedes einzelne Schicksal zählt
Indem wir unser Schiff SAMIA nennen, möchten wir an die Schicksale und der damit verbundenen Geschichten jeder einzelnen Person erinnern, auch wenn wir die meisten dieser Geschichten leider nicht kennen. Doch wir möchten den Blick dafür schärfen, auf die Menschen und nicht nur auf die Zahlen zu schauen.

